15. Oktober 2020

AutorInnenpapier: Umbau der EU-Agrarpolitik jetzt! Ein Zukunftspaket für eine vielfältige und lebendige Landwirtschaft

Die Landwirtschaft der Zukunft arbeitet mit der Natur und erhält unsere natürlichen Lebensgrundlagen. Gemeinsam mit den Bäuerinnen und Bauern wollen wir unsere Ziele für Biodiversität und Klimaschutz erreichen und den Wünschen der Bevölkerung nach einer artgerechten Tierhaltung, einem lebenswerten ländlichen Raum und gesundem Essen nachkommen.

Die immer mehr auf Industrialisierung getriebene Landbewirtschaftung verursacht vielerorts in der EU erhebliche Probleme, sodass es wichtig ist heute zu handeln.

Die bisherige Förderpolitik der EU scheint von dieser Problematik jedoch unberührt zu sein, hier gilt das Prinzip: „wer hat – dem wird gegeben“: Aktuell erfahren wir eine ungerechte Verteilung der Gelder über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP). Ein 50 ha Betrieb bekommt 14.000 Euro, ein 5000 ha Betrieb 1,5 Mio. und das unabhängig davon, wie viele Leistungen für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz sie erbringen.

In Zukunft soll ein neues Prinzip gelten: Die Landwirt*innen, die die meisten gesellschaftlichen Leistungen, das sind z.B. Leistungen in den Bereichen Biodiversität, Klima-, Umwelt- oder Tierschutz, erbringen sollen die höchsten finanziellen Förderungen erhalten. Mit einer Gemeinwohlprämie wollen wir die Landwirte und Landwirtinnen für die Güter entlohnen, für die der Markt bisher keinen Preis kennt.

Über die GAP muss europaweit der Umbau der Landwirtschaft hin zu zukunftsfähigen und ökologischen Bewirtschaftungsformen, die umweltverträglich sind, Klimaschutz und Klimaanpassung verfolgen und ein hohes Tierschutzniveau garantieren, gewährleistet werden.

Der Zeitpunkt für einen Kurswechsel ist jetzt. Denn aktuell laufen die Verhandlungen über die EU-Agrarpolitik auf Europäischer Ebene. Die Gemeinsame Agrarpolitik ist das zentrale Werkzeug, um die Agrarpolitik zukunftsfähig und entschieden umzubauen und bäuerlichen Betrieben eine Zukunftsperspektive zu bieten.

Die wissenschaftlichen Beiräte der Bundesregierung für Agrarpolitik und für Biodiversität fordern seit langem deren konsequenten Umbau. Und auch die Europäische „Farm to Fork“- und die Biodiversitätsstrategie des Green Deals der EU-Kommission zeigen in die richtige Richtung. Doch die Vorschläge von Kommission und Rat zur Agrarpolitik laufen dem zu wider. Sie konterkarieren die ökologischen Ziele der EU. Damit verhindern sie den nötigen Kurswechsel.

Wir fordern die Europäische Kommission auf, jetzt eine wirkliche Neuausrichtung der EU-Förderpolitik einzuläuten. Mit einer zukunftsfähigen Landwirtschaft, die mit der Natur arbeitet, sind wir in der Lage, bekannten Problemen wie Biodiversitäts- und Bodenverlust entgegenzuwirken. Es ist jetzt an der Zeit diesen Weg zu gehen.

HIER gibt es das AutorInnenpapier als PDF.

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