7. September 2020

Brief an Bürgermeister Schmunkamp zum „Gedenkstein“ in Schmidt (Nideggen)

In der Stadt Nideggen, konkret in der Ortschaft Schmidt, steht seit dem Jahr 1999 ein „Gedenkstein“, der ein unzutreffendes und verstörendes Geschichtsbild der Schlacht im Hürtgenwald 1944/45 vermittelt und sich deshalb auch offensichtlich in rechtsextremem Kreisen großer Beliebtheit erfreut.

Dies sorgte bei mir für große Empörung, woraufhin ich ein Schreiben an den Bürgermeister Marco Schmunkamp formulierte:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Schmunkamp,

von den Bürgern*innen aus der Stadt Nideggen bin ich auf einen Vorgang aufmerksam gemacht worden, der mich völlig fassungslos macht:

Seit dem Jahr 1999 steht auf dem zentralen Platz der Ortschaft Schmidt ein von einem Privatmann gestifteter „Gedenkstein“, der ein unzutreffendes und verstörendes Geschichtsbild der Schlacht im Hürtgenwald 1944/45 vermittelt und sich deshalb auch offensichtlich in rechtsextremem Kreisen großer Beliebtheit erfreut.

Es irritiert mich maßlos, dass dieser Gedenkstein sogar noch in Szene gesetzt wurde, nachdem Bürger*innen die Stadt Nideggen auf seine historische Fragwürdigkeit hingewiesen haben. Wie ich mich vor Ort selber überzeugen konnte, wurde der „Gedenkstein“ vom hinter Büschen versteckeckten Rand des zentralen Dorfplatzes ins Zentrum dessen gerückt, durch neu angelegte Wege zugänglich gemacht und wird nun in der Dunkelheit sogar noch angestrahlt. Der Stein ist damit der einzige angestrahlte, öffentliche Ort in Schmidt.  Ich halte es für ausgeschlossen, dass diese abscheuliche Inwertsetzung ohne Zutun oder zumindest Kenntnis der Stadt Nideggen und damit von Ihnen geschehen sein kann.

Ein Schild mit dem Hinweis über eine laufende Debatte über diesen „Gedenkstein“ ändert an dessen baulicher Aufwertung nichts.

Ich kann diesen Vorgang nur so interpretieren, dass Sie und damit die Stadt Nideggen sich ausdrücklich der fragwürdigen Geschichtsinterpretation des „Gedenksteins“ ohne jede Kontextualisierung anschließen, wonach die 89. Infanteriedivision „für den Frieden“ gekämpft haben soll. Angesichts der tatsächlichen Rolle der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg und auch in der Schlacht im Hürtgenwald bis hin zum Einsatz von Kindersoldaten, kann ich darüber nur meine Abscheu zum Ausdruck bringen.

Ich appelliere deshalb an Sie, den „Gedenkstein“ unverzüglich entfernen zu lassen und gemeinsam mit den Ihnen bereits genannten Fachleuten, Zeitzeugen und den Bewohnern des Ortes einen Prozess einzuleiten mit dem Ziel, ein den historischen Tatsachen entsprechendes und eingeordnetes Gedenken an die rund um die Ortschaft Schmidt stattgefundenen Kriegshandlungen und den Verbrechen des NS-Regimes möglich zu machen.

Mit freundlichen Grüßen

Oliver Krischer

Verwandte Artikel