23. Januar 2020

Bundesregierung: Auto laden geht nicht „smart“

Ab diesem Jahr sollen in deutschen Haushalten die ersten „intelligenten“ Stromzähler eingebaut werden. Viele E-Auto-Besitzer laden ihre Autos an eigenen „Wallboxen“. Diese können aber nicht mit den smarten Stromzählern kommunizieren, so die Antwort der Bundesregierung auf eine Frage von mir.

Was in anderen Ländern längst umgesetzt ist, beginnt in Deutschland mit über 10jähriger Verspätung. Verbraucher mit über 6000 kWh Stromverbrauch im Jahr sollen wahrscheinlich ab diesem Jahr endlich intelligenten Stromzähler („Smart Meter“) bekommen. Angesichts der ewigen Verzögerungen sind die Smart Meter längst der „BER der Energiewirtschaft“. Die Bundesregierung war über Legislaturperioden hinweg nicht in der Lage, verbindliche Standards zu schaffen.

Bei den Privathaushalten dürften es vor allem Besitzer von E-Autos sein, die über die 6000 kWh Jahresverbrauch für einen Smart Meter kommen. Ironischerweise:  Die Bundesregierung bestätigt, dass die Wallboxen, die E-Autobesitzer zum Laden brauchen, gar nicht mit dem Smart Meter kommunizieren können. Das ist ein Stück aus Absurdistan, den die Smart Meter sollen ja gerade das Laden des Autos steuern, je nachdem, ob viel oder wenig Strom im Netz. Das zeigt, welchen Stellenwert Elektromobilität und Digitalisierung in dieser Bundesregierung haben. Die oft öffentlich geförderten Wallboxen können wir im schlimmsten Fall demnächst alle wieder wegwerfen, weil diese Bundesregierung nicht in der Lage ist, ein Mindestmaß an handwerklicher Fähigkeit anzuliefern. Das ist Ausdruck eines Desinteresses an Digitalisierung, jenseits von Sonntagsreden. Deutschland verspielt so die Technologieführerschaft und wir überlassen am Ende amerikanischen oder chinesischen Technologiekonzeren die Themen.

Hier die Frage und die Antwort der Bundesregierung im Wortlaut (Plenarprotokoll 19/139):

 

Frage 21

Frage des Abgeordneten Oliver Krischer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Sind die intelligenten Messeinrichtungen bzw. die Smart- Meter-Geräte, deren Rollout meines Wissens in Kürze beginnen soll, in der Lage, mit den handelsüblichen Wallboxen (insbesondere zur Ladung von Elektroautos) zu kommunizieren, sodass Ladevorgänge über die Smart-Meter-Technik zeitlich gesteuert werden können?

Antwortdes Parl. Staatssekretärs Christian Hirte:

Intelligente Messsysteme mit Smart-Meter-Gateways werden künftig eine zentrale Funktion in intelligenten Stromnetzen übernehmen, in welchen sowohl schwankende erneuerbare Energien als auch neue Verbraucher wie Elektromobile flexibel gesteuert werden können. Technisch ist bereits mit den aktuell verfügbaren Geräten eine Steuerbarkeit von Anlagen über den sogenannten CLS-Proxy-Kanal in Verbindung mit Steuereinheiten, die zum Beispiel durch die Gateway-Hersteller angeboten werden, möglich. Allerdings müssen noch technische und rechtliche Aspekte weiterentwickelt werden. Hierzu laufen aktuell zwei umfassende Stakeholder-Prozesse. Nach Kenntnis der Bundesregierung sind die handelsüblichen Wallboxen derzeit in der Regel technisch noch nicht dafür ausgelegt, mittels der vom Schutzprofil geforderten Protokolle bzw. Schnittstellen mit Smart-Meter-Gateways zu kommunizieren.

Verwandte Artikel