29. Oktober 2019

Autorenpapier: Mehr ICE-Sprinter

 

Autorenpapier der Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel, Oliver Krischer, Stefan Gelbhaar, Markus Tressel, Stephan Kühn und Daniela Wagner

 

Die öffentliche Diskussion über eine Verlagerung von Flugverkehr über kurze Distanzen auf die Schiene hat neues Interesse an ICE-Sprinterverbindungen zwischen Großstädten geweckt. Gleichzeitig tauchen Fragen auf, ob Sprinterzüge mit dem Deutschland-Takt vereinbar sind. Zudem gibt es Befürchtungen, dass die Bahn die Fläche vernachlässigt und sich nur noch auf  Hochgeschwindigkeitsstrecken konzentriert. Bei Fernverkehrsangeboten mit attraktiveren Fahrzeiten geht es weder ausschließlich um die Verlagerung des innerdeutschen Flugverkehrs noch um reinen
Hochgeschwindigkeitsfetisch. Die Schiene kann das dominierende Verkehrsmittel im Fernverkehr zwischen Großstädten und Ballungsräumen werden. Dazu müssen die Metropolenverbindungen gezielt beschleunigt werden. Nachfragestarke Relationen benötigen ein attraktives Grundangebot im Halbstundentakt. Der Ausbau von Sprinterverbindungen steht nicht in Konkurrenz zum Deutschland-Takt, sondern ergänzt ihn auf bestimmten Verbindungen und sollte in ihn integriert werden. Damit können sowohl Kurzstreckenflüge überflüssig als auch zahlreiche Autofahrten vermieden werden. Dabei ist der Ausbau der schnellen Verbindungen zwischen Ballungsräumen und Großstädten nur ein Baustein einer umfassenden Bahnoffensive.

  • Mit der Verlagerung von innerdeutschem Flugverkehr können wir schnell starten, indem wir auf den nachfragestarken Relationen als Alternative Sprinterverbindungen mit Fahrzeiten bis maximal knapp vier Stunden auf die Schiene bringen. Damit kann für rund drei Viertel der innerdeutschen Fluggäste von derzeit 24 Millionen eine Alternative bereitgestellt werden. Dabei sind die Sprinterverbindungen eine Ergänzung des im Takt verkehrenden schnellen Grundangebots, d. h. Sprinter erweitern das Fernverkehrsangebot. Es geht nicht um ein „Entweder-oder“, sondern um das „Sowohl-als-auch“.
  • Beim Aufbau des Deutschland-Takts sind Sprinterverbindungen daher von Beginn an in die Planung miteinzubeziehen. Mit Investitionen in schnellere Verbindungen kann der Schienenverkehr im Verkehr zwischen Ballungsräumen Marktanteile von 75 Prozent und mehr erringen, wie internationale Beispiele zeigen.
  • Die Beschleunigung des Fernverkehrs auf nachfragestarken Strecken ist nur ein Baustein einer Bahnoffensive. Grundlage einer Bahnoffensive ist der Deutschland-Takt, der alle Landesteile erschließt sowie ein attraktiver Nahverkehr und leistungsfähiger Güterverkehr.
  • Der Bund muss jetzt zügig die notwendigen Grundsatzentscheidungen für die Einführung des Deutschland-Takts treffen, um Planungssicherheit für die Infrastrukturinvestitionen zu schaffen.
  • Die Haushaltsmittel für den Neu- und Ausbau im Schienennetz muss der Bund schrittweise auf 3 Milliarden Euro pro Jahr verdoppeln – so wird die Schiene zum Rückgrat der Verkehrswende. Mit einem massiv erhöhten Investitionsvolumen kann das Schienennetz bis 2030 mindestens für eine Verdoppelung des Marktanteils der Schiene im Personen- und Güterverkehr ausgebaut werden.
  • Für ein attraktives und leistungsfähiges Eisenbahnnetz in Deutschland brauchen wir gleichfalls Investitionen in schnellere Strecken wie auch in den Ausbau von S-Bahn und Stadtbahnnetzen in Großstädten oder der Reaktivierung von Bahnstrecken im ländlichen Raum.

Ein nachhaltiges Verkehrssystem braucht eine starke Schiene als Rückgrat!

 

Das Autorenpapier als PDF findet sich HIER.

Übersicht über die Fluggastzahlen der nachgefragtesten innerdeutschen Flugverbindungen unter 4h

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