Flugzeug
2. Oktober 2018

Offener Brief an Ryanair

Täglich gibt es neue Meldungen, wie Ryanair sein streikendes Kabinenpersonal einschüchtert. Das sind frühkapitalistische Methoden, die in Deutschland keine Anwendung finden dürfen. Meine für Arbeitnehmerrechte zuständige Kollegin, Beate Müller-Gemmeke und ich, haben darum zusammen mit weiteren Grünen Bundestagsabgeordneten einen offenen Brief an den Ryanair-Chef Michael O’Leary geschrieben.

Den offenen Brief im PDF-Format gibt es hier: deutsch und englisch

Sehr geehrter Herr O’Leary,

Ryanair ist eine Airline ohne Interessensvertretung und Tarifvertrag. Das lassen sich die Beschäftigten zu Recht nicht mehr bieten, denn die Grundsätze der Unternehmensführung zeigen weder Anerkennung noch Wertschätzung gegenüber den Beschäftigten. Aber genau das haben die Menschen, die tagtäglich für Ihre Airline arbeiten, verdient.

International gelten die Kernarbeitsnormen der ILO. In Deutschland und der gesamten Europäischen Union haben Beschäftigte das Recht, sich in Gewerkschaften oder in Betriebsräten zu organisieren. Außerdem sorgt Artikel 9, Absatz 3 des deutschen Grundgesetzes für eine geregelte Tarifautonomie. Die Sozialpartnerschaft ist ein Grundpfeiler unserer Demokratie. Streik ist bei uns ein integraler Bestandteil der Rechts- und Wirtschaftsordnung. Diese Wirtschaftsordnung gilt im Übrigen für alle Unternehmen, die auf deutschem Boden ihre Geschäfte betreiben.

Einschüchterungsversuche sind fehl am Platz. Auch Strafaktionen passen nicht zu einem Unternehmen, das modern sein will, sondern sind Ausdruck eines Führungsstils, um sich auf Kosten der Beschäftigten auf dem Markt zu positionieren. Es ist auch skandalös, dass Ryanair – als Antwort auf die Streiks – die Station in Bremen schließen und im nordrhein-westfälischen Weeze zwei von fünf Flugzeugen abziehen wird. Damit sind die Arbeitsplätze von Beschäftigten gefährdet, die zu Recht um bessere Arbeitsbedingungen kämpfen. Diese Form der Auseinandersetzung ist nicht akzeptabel und diese Konflikte machen sich mittlerweile auch bei den Börsenkursen Ihres Unternehmens bemerkbar.

Wir gehen davon aus, dass ein Unternehmen langfristig nur gemeinsam mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erfolgreich sein kann. Daher unterstützen wir die Forderung der Gewerkschaft ver.di und appellieren an Sie, den bisherigen Kurs der Airline zu ändern. Beenden Sie die gewerkschaftsfeindliche Geschäftspolitik und verankern Sie endlich eine zeitgemäße Sozialpartnerschaft in den Grundsätzen der Unternehmensführung von Ryanair.

Wir unterstützen auch ausdrücklich, dass die deutschlandweiten ver.di-Mitglieder beim Kabinenpersonal eine Tarifkommission gebildet haben und appellieren an Sie: Nehmen Sie die Schließung des Standorts Bremen und die Pläne zur Verlegung der Flugzeuge zurück. Treten Sie in den Dialog ein und verhandeln Sie endlich einen angemessenen und fairen Tarifvertrag!

Mit freundlichen Grüßen

Oliver Krischer MdB, Beate Müller-Gemmeke MdB

Weitere Unterzeichner*innen aus der Bundestagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen:

Annalena Baerbock, MdB
Dr. Anton Hofreiter, MdB
Markus Tressel, MdB
Kerstin Andrae, MdB
Lisa Badum, MdB
Ekin Deligöz, MdB
Katja Dörner, MdB
Harald Ebner, MdB
Matthias Gastel, MdB
Stefan Gelbhaar, MdB
Kai Gehring, MdB
Anja Hajduk, MdB
Britta Haßelmann, MdB
Dieter Janecek, MdB
Uwe Kekeritz, MdB
Sven-Christian Kindler, MdB
Christian Kühn, MdB
Stephan Kühn, MdB
Markus Kurth, MdB
Sven Lehmann, MdB
Claudia Müller, MdB
Ingrid Nestle, MdB
Friedrich Ostendorff, MdB
Lisa Paus, MdB
Filiz Polat, MdB
Tabea Rösner, MdB
Dr. Manuela Rottmann, MdB
Ulle Schauws, MdB
Gerhard Schick, MdBStefan Schmidt, MdB
Margit Stumpp, MdB
Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, MdB
Dr. Julia Verlinden, MdB
Daniela Wagner, MdB

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