7. Mai 2018

Strafanzeige gegen Winterkorn

 

Ich habe beim Landgericht Berlin Strafanzeige gegen Ex-VW-Chef Martin Winterkorn gestellt, weil ich davon ausgehe, dass Winterkorn bei seiner Vernehmung im Untersuchungsausschuss des Bundestags am 19. Januar 2017 nicht die Wahrheit gesagt hat. Im Januar 2017 hatten wir Winterkorn dort als Zeuge zum Abgas-Skandal befragt. Auf die Frage, wann er zum ersten Mal von Abschalteinrichtungen erfahren habe, antwortete Winterkorn: „Sicher nicht vor September 2015.“  Am 3. September 2015 hatte VW gegenüber den US-amerikanischen Umweltbehörden eingeräumt, in Dieselautos illegale Software verbaut zu haben, um Abgaswerte zu beschönigen. Die jüngsten Ermittlungen in den USA deuten aber nun darauf hin, dass Winterkorn bereits im Mai 2014 von den Manipulationen gewusst haben soll. Spätestens Ende Juli 2015 soll er detailliert informiert worden sein.

Die Strategie des Martin Winterkorn „Mein Name ist Hase, ich wusste von nichts“  droht nun endgültig in sich zusammenzustürzen. Denn wenn die Vorwürfe der US-Staatsanwaltschaft zutreffen, dann dürfte Herr Winterkorn auch im Untersuchungsausschuss des Bundestages nicht die Wahrheit gesagt haben. Das wäre dann eine Straftat, für die er sich verantworten müsste. Hinzu kommen mögliche Schadensersatzforderungen von Aktionären, die zu spät informiert wurden.

Es ist überdies völlig unglaubwürdig, dass Herr Winterkorn erst im Herbst 2015 von den Betrügereien bei der Abgasreinigung mitbekommen haben will. Er hat immer den technikbegeisterten Konzernchef gegeben, der selbst über kleinste Details der Fahrzeuge im Bilde war. Zu glauben, dass der flächendeckende Einsatz von illegalen Abschalteinrichtungen im VW Konzern nicht ohne Wissen und Segen von ganz oben passiert ist, fällt da sehr schwer. Die Geschichte von den Einzeltätern, die ohne Wissen der Chefetage für den Skandal handelten, hat sich längst als haltlose VW-Legende entpuppt.

Die Strafanzeige findet sich HIER.

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