7. September 2017

Hälfte der Bahnbrücken in NRW marode

 

Vom Lieblingsversprechen des Bundesverkehrsministers Dobrindt, dem „Investitionshochlauf“ für die Infrastruktur, kommt bei den kaputten Bahnbrücken in NRW herzlich wenig an. NRW ist der Hotspot der deutschen Infrastrukturkrise: fast die Hälfte aller Bahnbrücken in hier sind dringend sanierungsbedürftig. Von den 4.458 Eisenbahnbrücken in NRW haben 1983 Brücken gravierende Schäden. Das sind, verglichen mit unserer Abfrage aus 2014, heute sogar noch 1,4% mehr Brücken in den Schadenskategorien 3 und 4 als damals, also fast 45% kaputte Bahnbrücken. 248 Brücken sind sogar so marode, dass sie komplett neu gebaut werden müssten.

Bei der Instandsetzung der Infrastruktur kommt die Bundesregierung einfach nicht nach. Es rächt sich jetzt, dass Dobrindt sich vor allem um seine Unsinnsprojekte wie die Maut und den Bundesverkehrswegeplan kümmert und die Bahn ihr Netzt systematisch vernachlässigt. Unterdessen bröseln die Brücken der Bahn nur so unter den Zügen weg. Wenn nicht bald umgesteuert wird in der deutschen Verkehrspolitik, dann kommt es unabwendbar zu realen Sicherheitsrisiken und es drohen enorme Verkehrsbeeinträchtigungen – vor allem im Transitland NRW.

Hintergrund:

Eine kleine Anfrage von uns an die Bundesregierung hat ergeben: von 4.458 Eisenbahnbrücken in NRW befinden sich knapp die Hälfte, also ganze 1983 Brücken, in den Schadenskategorien 3 und 4. Sie weisen also gravierende Schäden auf. Der Anteil der Brücken, bei denen eine Instandsetzung nicht mehr möglich ist, bleibt gegenüber 2014 unverändert hoch (5,5%). Der Anteil der Brücken in Kategorie 3 und 4 steigt sogar, nämlich von 43,8% auf 44,48% – und das, obwohl Sanierungen vorgenommen wurden.

Mehr als die Hälfte aller Brücken in NRW sind älter als 80 Jahre und damit vor 1937 erbaut worden.

Um das LuFV II-Ziel von 875 erneuerten Brücken zu erreichen, müssten deutlich mehr Brücken in NRW erneuert werden. In den letzten 2 Jahren wurden aber nur knapp die Hälfte der erforderlichen Brücken saniert. 2017 müssten darum mindestens viermal so viele Brücken erneuert werden, wie geplant (40 statt nur 10 Brücken im Jahr 2017), um die vereinbarte Quote zu erreichen. Die Bundesregierung muss hier also deutlich nachsteuern, um den fortschreitenden Verfall der Infrastruktur aufzuhalten.

Hier geht’s zur Kleinen Anfrage und der Antwort der Bundesregierung.

Mehr Infos und eine Deutschland-Übersicht gibt es hier.

Verwandte Artikel