1. November 2016

Anstieg der Netzentgelte


Mit rund 25% (ca. 6-8 ct/kWh) machen die Netzentgelte den größten Einzelposten des Strompreises für private Verbraucher*innen aus. Etwa 80% davon erhalten die 880 „Verteilnetzbetreiber“, die das Leitungsnetz in den Städten und Regionen betreiben. Die übrigen 20 % gehen an die vier Übertragungsnetzbetreiber Tennet, Amprion, 50Hertz und TransnetBW, die z.Zt. wegen der geplanten Stromübertragungsleitungen stark im Focus der öffentlichen Debatte stehen. Die Übertragungsnetzbetreiber haben jüngst deutliche Erhöhungen der Netzentgelte angekündigt. So will allein Tennet sie um 80% erhöhen.
Der Anstieg der Netzentgelte wird von Energiewende-Kritikern gerne komplett der Energiewende angelastet. Das ist so nicht richtig. Zum einen sind in vielen Regionen Westdeutschlands die Stromnetze schlichtweg veraltet und müssten auch ohne Energiewende erneuert werden. Zum anderen machen die alten und unflexiblen Kohle- und Atomkraftwerke den Betrieb der Netze immer schwieriger. Die Altmeiler laufen zum großen Teil voll weiter, auch wenn sehr viel Wind- und Solarstrom im Netz ist. Das schafft enorme Probleme und führt in einigen Regionen sogar dazu, dass die saubere Windkraft abgeschaltet wird, damit der dreckige Kohle- und Atomstrom Platz im Netz finden.
Trotz natürlichem Monopol und Regulierung durch die Bundesnetzagentur ist nicht einmal in Ansätzen klar, wofür die Netzentgelte im Einzelnen verwendet werden. EU Vorgaben zur Publizierung von Entscheidungen der Bundesnetzagentur (BNetzA) zu genehmigten Netzentgelten werden ignoriert bzw. entscheidende Abschnitte geschwärzt. Die Netzentgelte im Hochspannungsnetz von Tennet haben sich seit 2006 annähernd vervierfacht, obwohl nur wenige neue Kilometer an Netzen gebaut wurden. Eine Kapitalverzinsung von fast 7 %, wie sie kürzlich die BNetzA den Netzbetreiber zugestanden hat, ist den Stromkunden angesichts dieser Unklarheiten nicht zuzumuten. Die aktuellen Preiserhöhungen hängen auch damit zusammen, dass die Netzbetreiber die um 2 Prozentpunkte gesunkene Kapitalverzinsung über die Erhöhung der Netzentgelte wieder ausgleichen wollen.
Viel zu wenig beachtet werden in der Netzentgeltdebatte die Industrieprivilegien. Im Jahr 2016 mussten die Stromkunden dafür fast 900 Mio. Euro aufbringen. Dazu zählen Pharmakonzerne, Metzgereien, Freizeitparks, Campingplätze, Kasernen, usw. Im kommenden Jahr dürfte die Milliardengrenze geknackt werden. Damit wären die Privilegien teurer als die von vielen als Kostentreiber gebranntmarkten Redispatch-Maßnahmen, mit denen die Betreiber die Stromnetze während Stromüberschussphasen stabilisieren.

Grüne Forderungen:

  • Die alten Kohle- und Atomkraftwerke müssen raus aus dem Netz. Ihre Strommassen verstopfen das Netz und treiben die Betriebskosten in die Höhe. Erneuerbarer Strom kann nicht ins Netz eingespeist werden und die Anlagenbetreiber müssen entschädigt werden. Daher fordern wir, dass AKWs, die ihre Reststrommengen verbraucht haben, vom Netz müssen. Zudem muss  der schrittweise Kohleausstieg schnellstmöglich eingeleitet werden.
  • Die Bundesregierung muss dringend alternative Verwendungsmöglichkeiten für Windstrom in Industrie, Wärme (Power-to-Heat) und Verkehr (Power-to-Gas) schaffen. Das senkt auch die Netzkosten.
  • Der von der Bundesnetzagentur festgesetzte Eigenkapitalzins von 6,91% ist deutlich zu hoch. Er führt zu unangemessenen Renditen bei den Netzbetreibern auf Kosten der Stromkunden und muss auf etwa 5 % abgesenkt werden.
  • Die Netzentgelte müssen fair verteilt werden. Industrieprivilegien nach dem Prinzip „Money for nothing“ müssen beendet werden. Nur Unternehmen, die durch Lastmanagement aktiv zur Entlastung der Netze beitragen, dürfen eine Begünstigung erhalten.
  • Fair verteilen heißt für uns auch, ein bundesweit einheitliches Entgelt für die Übertragungsnetze einführen. Damit würden vor allem Ost- und Norddeutschland entlastet.

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