7. Juli 2016

Abschaltbare Lasten: das Gegenteil von „gut“ ist „gut gemeint“


Die Opens external link in new windowVereinbarung über abschaltbare Lasten  ist die Fortsetzung der 2013 verabschiedeten Lastabschalt-Verordnung. Diese regelt die Bedingungen, unter denen Großverbraucher auf Anforderung der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) ihren Stromverbrauch kurzfristig reduzieren können, um das Netz zu stabilisieren. Für diese Dienstleistung erhalten sie eine Vergütung. Die Verordnung wurde Ende letzten Jahres gegen das Versprechen der Großen Koalition, bis Ende Juni eine neue Verordnung vorzulegen, um sechs Monate verlängert. Die neue Vereinbarung enthält folgende Veränderungen:

– Die Vergütung ist in Leistungs- (max. 500 €/MW) und Arbeitspreis (400 €/MWh) gegliedert und soll wettbewerblich ausgeschrieben werden

– Statt 1.000 MW sollen zukünftig 1.500 MW kontrahiert werden und Unternehmen mit abschaltbaren Leistungen ab 10 MW (statt bisher 50 MW) können teilnehmen

– Neuerungen betreffen vor allem einer stärker wettbewerblich ausgeschriebenen Ausrichtung und einer wöchentlichen (statt monatlichen) Ausschreibung der Abschaltleistungen, zudem können einzelne Unternehmen „poolen“

– An der Ausschreibung dürfen nur Anbieter teilnehmen, die schnell (d. h. innerhalb von 15 Min.) und sofort abschaltbare Lasten anbieten können. Die Abschaltung muss vom Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) durch Fernsteuerung oder automatisch frequenzgesteuert bei Unterschreiten einer vorgegebenen Netzfrequenz herbeigeführt werden können.

 – Jährliche Mehrkosten gegenüber der Vorgängerregelung (ca. 30 Mio. € im Jahr) entstehen in Höhe von 5 Mio. Euro, was für einen Durchschnittshaushalt eine jährliche Mehrbelastung von 4 ct bedeutet auf dann 29 ct pro Jahr.

Alter Wein in neuen Schläuchen

Experten und Energiewirtschaft sind sich einig, dass die alte Lastabschalt-Verordnung nie zu den gewünschten Effekten führte, sondern sich als Subventionsgesetz für einige wenige Industriebetriebe entpuppte. Sogar die Bundesnetzagentur bestätigte, dass die Verordnung in der alten Form überflüssig sei. Jetzt kam mit einiger Verzögerung endlich eine neue gesetzliche Regelung.

Doch diese weist angesichts der großen Kritik an der alten Verordnung erstaunlich wenige Veränderungen auf. Die Zielsetzung einer Marktentwicklung für Lastmanagementleistung – wie dies etwa in den USA der Fall ist – wird so niemals erreicht. Wie schon bei der alten Verordnung kann die Bundesregierung die konkrete Berechnungsgrundlage für Leistungs- und Arbeitspreis nicht benennen. Damit bleibt das eigentlich gut gemeinte Instrument weiter intransparent und wird wohlmöglich nur für große Unternehmen eine zusätzliche Finanzspritze sein. Das zeigt, dass diese Verordnung das falsche Instrument ist.

Stattdessen brauchen wir einen Markt für Lastmanagementmaßnahmen – eingebettet in einem zukunftsfähigen Strommarktmodell. Ein ökologischer Flexibilitätsmarkt – der Anreize zur Verschiebung von Lasten schafft – wäre das geeignete Modell. Doch dem verweigert sich die Bundesregierung aus unerfindlichen Gründen und gefährdet damit die Umsetzung der Energiewende an einer weiteren entscheidenden Stelle.

Verwandte Artikel