13. Juni 2016

Gastbeitrag: Zeit für eine Mobilitätsrevolution für Benutzerfreundlichkeit und mehr Klimaschutz


Ein Gastbeitrag von Oliver Krischer MdB und Dr. Anton Hofreiter MdB
Internet und Smartphone haben unseren Alltag verändert. Der Weg zum Bahnhof, einen Flug buchen, ein Taxi bestellen oder ein Leihrad suchen, das Regenradar checken, die nächste Bushaltestelle, das nächste Carsharing-Auto: für sich genommen, kein Problem. Vernetzte Mobilität für alle ist schon zum Greifen nah – aber doch unerreicht, solange diese Bundesregierung die neuen Möglichkeiten verkennt.  Doch vernetzt ist nichts miteinander.

Beim öffentlichen Personenverkehr klaffen Traum und Realität oft weit auseinander. Wer schon einmal versucht hat, mit der Familie mit Bus & Bahn in den Urlaub zu fahren, kann ein Lied davon singen. Das stärkt bestenfalls den Familienzusammenhalt, nicht aber die Motivation für die nächste Reise ohne Auto. Was das Auto uns derzeit geben kann – ein Mobilitätsversprechen, das scheinbar nur von der Dichte des Tankstellennetzes und den verfügbaren finanziellen Mitteln begrenzt wird  –  davon ist die Bahn immer noch weit entfernt. Kleinstaaterei im Verkehrsverbund- und Tarifwirrwarr, Verspätungen und Zugausfälle, große weiße Flecken im ÖPNV-Netz und volle Abteile. So sieht der Alltag oft aus, wenn man den öffentlichen Verkehr nutzt.

Muss das eigentlich so sein? Natürlich nicht. Es geht anders und besser. Die Schweiz macht´s längst vor. Dort kooperieren seit Jahren sämtliche Verkehrsunternehmen und bieten mit dem Generalabonnement eine Karte für alle und alles an. Der Schweizer Staat hat den Bezugspreis anfangs durch Zuschüsse massiv verbilligt – mit stark steigender Nachfrage hatte sich die Subvention nach wenigen Jahren erübrigt. Generalabonnement und Halb-Tax-Ticket nutzt in der Schweiz mehr als ein Drittel der Bevölkerung – öffentliche Verkehre werden durch eine systematische Infrastrukturentwicklung gezielt ausgebaut. Mit dem SwissPass hat man zudem einfachen Zugang zu Partnerdiensten wie Carsharing und Leihfahrrädern.

Von dieser Art vernetzter Mobilität ist Deutschland weit entfernt. Obwohl auch hier denkbar: Eine Dauerfahrkarte, die immer und überall gilt und sämtliche Angebote des öffentlichen Verkehrs mit einschließt. Planen und buchen via Smartphone oder smarter Buchungsstation/Kartenautomat. Getaktete Verbindungen, die Anschlüsse gewährleisten. Car- und Bikesharing, wo Bus & Bahn nicht fahren. Hier kommt auch die Elektromobilität ins Spiel. Klimafreundlicher Verkehr muss bequem werden, auch auf dem Land. „Weg vom Öl“ lautet hier die Devise. Zum Punkt „bequem“ zählt natürlich auch das Drumherum: Zugige Bahnhöfe, verlassene Wartehäuschen und fehlende sichere Fahrradabstellmöglichkeiten laden nicht zum Verweilen ein. Den Anforderungen der heutigen Zeit entsprechen da eher Mobilitätsstationen. Mit Ladesäulen, Fahrrad-Servicestationen, sicheren Abstellmöglichkeiten, Car- und Bikesharing, natürlich barrierefrei.

Die Bundesregierung aber hat hier bisher den völlig falschen Fahrplan. Dobrindt und seine Verkehrsminister-Vorgänger setzen seit Jahren ausschließlich auf das Auto als Verkehrsmittel. Der Entwurf des Bundesverkehrswegeplans eine Endlosliste von Straßenbauprojekten hat dies unlängst wieder eindringlich gezeigt. Damit lässt die Bundesregierung die Menschen auf dem Land mit ihrer Abhängigkeit vom eigenen Pkw alleine (in Zeiten des demografischen Wandels ein fataler Fehler!) und das Leben in den Städten wird für deren Bewohner zum Gesundheitsrisiko aufgrund von Abgasen und Lärm. Deutschland muss bei der öffentlichen und vernetzten Mobilität ran an verkrustete Strukturen und endlich das verstaubte Image erneuern. Allein schon, weil die Fahrgastzahlen seit Jahren steigen und Kundinnen und Kunden mehr Qualität und besseren Service erwarten. Ansätze dazu gibt es nun auch endlich bei der Deutschen Bahn. Doch für diese vernetzte Verkehrswende – orientiert an Benutzerfreundlichkeit und Klimaschutz ist ein fester politischer Wille nötig, den die Große Koalition derzeit nicht versprüht. Wir können die  Energiewende und die Verkehrswende sinnvoll miteinander verbinden. Wir wollen Mobilität für alle – klimafreundlich und bequem. 

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