1. April 2016

Belgische AKW als Terrorziele?


Brände im Monats-Rhythmus, Risse im Reaktordruckbehälter, Funde von Weltkriegsbomben, ungeschultes Sicherheitspersonal, undichte Kühlwasserbehälter – die Skandalgeschichten der Atomkraftwerke in Belgien gleichen einer unendlichen – und besorgniserregenden – Geschichte. Nun wird immer deutlicher: Die belgischen Pannenreaktoren sind womöglich auch Ziele von Terroristen. Schon vor einigen Monaten musste der belgische Energiekonzern Elektrabel Mitarbeiter wegen Sicherheitsbedenken aus seinen Atomkraftwerken Tihange und Doel verbannen. 

Die Meldungen aus Belgien zeigen immer mehr, dass die Terroristen Atomkraftwerke ganz konkret als Attentatsziele im Visier haben. Laufende Atomkraftwerke mit hunderten von Mitarbeitern lassen sich auf Dauer nicht gegen selbstmordbereite Dschihadisten schützen. Deshalb kann die Konsequenz nur heißen, die AKW sofort abzuschalten. Dafür gibt es sowieso schon genug andere Gründe. Es gibt mehr als genug Gaskraftwerke in Belgien, den Niederlanden und Deutschland, die sofort die Stromversorgung übernehmen können, aber derzeit stillstehen, weil sie im Strommarkt gegen Billig-AKW keine Chance haben.

Es ist unverantwortlich nur wegen des Gewinns eines Energiekonzerns Schrott-Reaktoren mit fragwürdiger Sicherheitskultur als Terrorziele weiterlaufen zu lassen. Die Bundesregierung muss endlich ernsthaft auf das Abschalten der AKW drängen und mit der belgischen Regierung darüber reden, wie die Gaskraftwerke in den Markt gebracht werden können. Aber auch in Deutschland brauchen wir eine Debatte, ob angesichts von Selbstmordattentätern der Betrieb von AKW bis 2022 noch verantwortlich ist. Alternative Kraftwerkskapazitäten sind in Deutschland mehr als genug vorhanden.

Verwandte Artikel