10. März 2016

Qualvolles Kükenschreddern gestiegen – Große Koalition guckt weg


In Deutschland wurden in der Legehennenproduktion im Jahr 2015 über 48 Mio. männliche Küken ohne Grund direkt nach dem Schlüpfen getötet. Dies bestätigt das Bundeslandwirtschaftsministerium auf unsere Grüne Anfrage.
Als Nachkommen von auf Höchstleistungen gezüchteten Legehennen können die männlichen Eintagsküken naturgemäß nicht zur Eierproduktion verwendet werden und setzen als Mast-hähnchen zu wenig Fleischmasse an. Für die Hühnerindustrie sind sie daher nutzlos und werden kurz nach dem Schlüpfen zerkleinert oder vergast. Die Tiere werden aus ökonomischen Gründen zur Vermeidung wirtschaftlicher Verluste getötet, weil sie im Vergleich zu Tieren aus Mastrassen eine längere Mastdauer, eine sehr geringe Mastleistung bei gleichzeitig höherem Futteraufwand und einen sehr geringen Anteil an Brustmuskelfleisch aufweisen.
Diese jahrelang angewandte und behördlich bislang geduldete Tötungspraxis basiert auf einer Ausnahmeregelung und ist mit den Grundsätzen des Tierschutzgesetzes nicht vereinbar: die Mitverantwortung des Menschen für das seiner Obhut anheim gegebene Lebewesen.
Als erstes Bundesland, mit Grünem Landwirtschaftsminister, hatte NRW durch einen Erlass an die Veterinärbehörden die Debatte um eine Unterbindung des Kükentötens bereits im September 2013 ins Rollen gebracht. 2015 hat der Bundesrat mit großer Mehrheit einem Antrag aus NRW zugestimmt, der das Töten von männlichen Eintagsküken schnell und gesetzlich verbindlich unterbinden soll. Die Änderung verbietet das Töten von Tieren aus ökonomischen Gründen, ohne vernünftigen Grund. Auch aus Niedersachsen kam, ebenfalls von einem Grünen Landwirtschaftsminister, der Vorstoß zur Unterbindung der Kükentötung.
Doch in der Bundesregierung bleiben CDU/CSU und SPD weiter untätig und nehmen das millionenfache Kükenschreddern damit billigend in Kauf. Noch 2015 sagte Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt (CSU), bis 2017 das qualvolle Töten männlicher Küken zu verbieten. In der aktuellen Antwort ist davon keine Rede mehr, stattdessen gehen Union und SPD davon aus, dass das Kükenschreddern in ‚absehbarer Zeit‘ beendet wird.
Damit sind die Ankündigungen von Schmidt und der gesamten Großen Koalition ein faules Ei. Ein PR-Gag auf dem Rücken von Millionen Küken, die qualvoll direkt nach dem Schlüpfen geschreddert werden. Die Große Koalition will das Kükenschreddern  weiterlaufen lassen und verweist auf Forschungsvorhaben. Schon heute ist die Geschlechtserkennung im Ei möglich, sie ist nur wenig teurer als das Kükenschreddern. Doch ein paar Cent sind für Union und SPD der Grund, dass weiterhin über 48 Mio. männnliche Küken geschreddert werden. Der Tierschutzmister Schmidt ist in Wahrheit der Minister für Tierquälerei und Union und SPD tragen dieses qualvolle Töten einfach so mit.
Bündnis 90/Die Grünen haben bereits mehrere Anträge in den Bundestag eingebracht, die das qualvolle Kükenschreddern beenden könnten – doch immer wieder stimmten CDU/CSU und SPD gegen ein Ende dieses Tötens: 24.09.2014 – Tierschutz ernst nehmen – Tierleid verhindern 18.03.2015 – Männliche Eintagsküken leben lassen 16.03.2016 – Zukunftsfähige Hühnerhaltung – Kükentötung schnellstmöglich ein Ende setzen

Weitere Informationen finden sich hier:

http://oliver-krischer.eu/detail/nachricht/bundesregierung-schaut-beim-kueken-toeten-tatenlos-zu.html

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